P2P-Lending für Anfänger erklärt

Was ist P2P-Lending?

Bei Peer-to-Peer Lending handelt es sich um ein Kreditvergabemodell. Andere Begriffe dafür sind „Crowdlending“ oder „Social Lending“. Bei P2P-Lending werden vereinfacht ausgedrückt Anleger und Kreditnehmer direkt über eine Online-Plattform miteinander verbunden. Diese Online-Plattformen fungieren als Vermittler zwischen Kreditsuchenden und Investoren. Häufig werden noch Darlehensanbahner dazwischengeschaltet, die die eigentliche Abwicklung gegenüber dem Kreditnehmer übernehmen und die Plattform zur Refinanzierung nutzen.

Welche Risiken gibt es beim P2P-Lending

P2P-Lending ist eine Anlageform mit hohen Risiken! Da gibt es kein Wenn und Aber. Wer Dir anderes erzählt, kennt sich entweder selbst nicht aus oder aber er versucht Dir etwas vorzumachen.

1. Plattformrisiko

Viele der Online-Plattformen sind erst wenige Jahre alt. Häufig sind die dahinterstehenden Unternehmen oder Personen nicht bekannt. Viele dieser Plattformen wurden im Baltikum von tech-afinen Personen gegründet, die aber noch keine langfristige Businesserfahrung aufweisen.

Die Gründung einer solchen Plattform ist massiven Investments in Hardware, Prozesse und IT-Sicherheit verbunden. Daher schreiben viele Plattformen KEINE schwarzen Zahlen sondern machen Verluste.

2. Darlehensanbahnerausfall

Bei den Darlehensanbahnern handelt es sich oft um sehr kleine Unternehmen mit oft nur wenigen Mitarbeitern. Es gibt Anbieter die hunderttausende Kredite pro Jahr anbieten, bei anderen ist es nur ein Bruchteil. Viele Anbieter sind nicht profitabel und stammen aus Ländern, deren Rechtssystem mit dem deutschen nicht vergleichbar ist. Da der Darlehensanbahner häufig die Erfüllung der Kredite garantiert (sog. Buyback) ist sein Ausfall dramatisch, denn damit ist auch diese Garantie futsch. Das Risiko ist NICHT theoretisch. in 2017 ist auf Mintos der polnische Darlehensanbahner Eurocent ausgefallen. Von den bei Eurocent investierten Geldern habe ich bislang nur ca. 60% zurück erhalten.

3. Kreditnehmerausfall

Stellt der Kreditnehmer seine Zahlungen ein, weil er pleite ist oder nicht mehr unter uns weilt, ist das suboptimal für den Kreditgeber. Hast Du den Kredit über einen Darlehensanbahner erworben, der mit einer Buyback-Garantie für den Ausfall einsteht, erhälst Du regelmäßig 60 Tage nach dem Ausfall den noch offenen Kreditbetrag (nicht aber zwangsläufig die Zinsen für die 60 Tage) zurückbezahlt. Ohne Buyback, wie etwa bei Bondora (Ausnahme Gow&Grow) schaust Du in die Röhre. Die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kreditnehmers schwankt von Plattform zu Plattform und hängt auch vom jeweiligen Land ab. Bei ukrainischen oder spanischen Kreditnehmern können das schnell mal 50% sein. Autsch!

4. Länderrisiko

Investiert man in P2P Kredite, investiert man auf der Suche nach höheren Renditen häufig in osteuropäische Länder, Spanien oder gar in Afrika oder Asien. Wie steht es dort um die Rechtssicherheit, wenn Du gegen einen Kreditnehmer oder Darlehensanbahner vorgehen möchtest? Wahrscheinlich kannst Du Dir das schenken.

Neben der Rechtssicherheit spielt aber auch eine Rolle, dass die Zinssätze, die die Kreditnehmer and die Darlehensanbahner zahlen erheblich von den von Dir vereinnahmten Zinssätzen abweichen. Die von Kreditnehmern auf Jahresbasis zu zahlenden Zinsen sind schnell 3-stellig. Da stellen sich schnell mal ethische Skrupel ein.

Aufgrund der hohen Zinsen kann aber nie ausgeschlossen werden, dass der Staat in diesen Ländern regulierend eingreift und etweder maximale Zinssätze festlegt oder zusätzliche Hürden (Banklizenz…) für Anbieter aufstellt oder eine derartige Kreditvergabe komplett untersagt. Das wirkt sich für Dich dann zumindest langfristig durch ein eingeschränktes Angebot aus.

5. Transparenz

Bei vielen Anbietern erfährst Du bei Privatkrediten über den Kreditnehmer nicht viel mehr als männlich, 37 Jahre alt, wohnhaft in Lwow … Die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers kannst Du dadurch nur schlecht einschätzen. Du bist dem Rating des Darlehensanbahners ausgeliefert.

Bei Immobilienkrediten wird Dir häufig ein sogenannter Loan-to-value Wert angegeben, der aussagt wie stark der Kredit durch den Wert des Gebäudes oder Grundstücks abgesichert ist. Nur, was nützt Dir das, wenn die angesetzten Grundstückskosten viel zu hoch sind? Dann ist das alles Makalatur. Estateguru hat einige Beispiele, wo die Grundstücke nichtzahlender Kreditnehmer schlicht nicht veräußerbar sind, obwohl die Angebotspreise bereits mehrfach gesenkt wurden.

Daneben gibt es gerade bei Mintos inzwischen mehr als 50 Darlehensanbahner, die sich im Detail, was die Zahlung bei Zinsen im Verzug, Buyback (ja/nein), Grace Periode ganz erheblich unterscheiden. Hier solltest Du Dich VOR einer Investition genau einlesen.

6. Mangelnde Diversifikation

Aufgrund ihres Risikos gilt für P2P Kredite noch viel mehr als für Aktien, dass Du NIEMALS alle Eier in einen Korb legen solltest. Eine angemessene Diversifikation erreichst Du NICHT, indem Du in 10 Kredite investierst. Wir reden hier über hunderte Kredite, unterschiedliche Anbahner, Länder, Plattformen.

Welche Anbieter nutze ich selbst?

Inzwischen gibt es sicherlich 60 und mehr Plattformen, die P2P-Kredite anbieten. Ich nutze eine ganze Reihe aktiv, bei anderen habe ich die Nutzung eingestellt. In der folgenden Liste habe ich die Plattformen nach meinem Anlagebetrag geordnet.

1. Mintos*

Mintos P2P-Lending Platform Screenshot

2. Bondora*

Bondora P2P-Lending

3. Viainvest

Viainvest P2P-Lending

4. Peerberry

Peerberry P2P-Lending pro & contra

5. Linked Finance

Linked Finance ist eine Abwechslung zu den vielen baltischen Plattformen, denn hier investiert man ausschließlich in Unternehmen in Irland. Je nach Bewertung der Unternehmen schwanken die Zinsen in etwa zwischen 6,5 und 12% p.a. Ein Buyback oder einen Zweitmarkt gibt es nicht. Bislang habe ich keine Ausfälle. In Zukunft kann das aber keiner garantieren. Die Benutzeroberfläche ist im Gegensatz zu Flender sehr übersichtlich und auch der Autoinvest funktioniert tadellos. Anders als viele andere Plattformen verlangt Linked Finance eine monatliche Platform Fee von 0,1% des investierten Betrags. Mir gefällt die Plattform nicht zuletzt aus Diversifizierungsgründen sehr gut.

6. Estateguru*

Estateguru bietet aktuell einen 1% Willkommensbonus. Sollte man deshalb Geld bei Estateguru investieren? Ich bin da nicht so recht überzeugt. Aktuell habe ich 7 Projekte in default. Aufgrund der unzureichenden Autoinvest Einstellungen hatte mein Autoinvest leider bei dem gleichen Anbieter zweimal investiert. Bis Estateguru die Daumenschrauben bei verspäteten Krediten anzieht, dauert es sehr sehr lange. Bei einem meiner Projekte ist die Auktion zur Veräußerung mangels Interesse nun schon drei mal geplatzt, dabei ist man mit dem Eröffnungsgebot schon deutlich unter den Gutachtenwert gegangen. Fallen alle Kredite aus, die derzeit in default sind, sinkt meine Rendite auf magere 2%. Dazu kommt die lange Dauer bis zum Abschluss etwaiger Verfahren. Vor diesem Hintergrund sehe ich Immobilieninvestments auf P2P Plattformen inzwischen deutlich kritischer. Ich investiere hier nicht mehr, sondern lasse mir die Rückzahlungen auszahlen.

6. Viventor

Viventor und ich hatten 1 Jahr lang Beziehungspause, da sich die uninvestierten Gelder gehäuft hatten. Inzwischen hat die Plattform aber viele neue Anbieter aufgenommen. Die Zinsen sind erfreulich hoch und auch die Benutzeroberfläche gefällt mir. NIcht alle Anbieter sind profitabel, aber mit etwas Nachforschen findet man eine Hand voll Anbieter die halbwegs solide aussehen. Ich baue meine Position bei Vivemtor daher wieder aus.

7. Flender*

Aktuell bietet Flender einen 5% Willkommensbonus auf Investments innerhalb der ersten 30 Tage nach Registrierung auf der Website. Das ist ein verlockendes Angebot und Flender hat sich innerhalb der letzten Wochen und Monate auch hinsichtlich der Transparenz verbessert. Ich investiere trotzdem nicht neu, da ich hier noch 2 Problemfälle habe (Premier Irish Golf Courses und Kingdom Signs), die mir die Rendite doch beträchtlich gedrückt haben,

8. Robocash

Robocash hat mir lange Zeit ganz gut gefallen und mit über 12% eine schöne Rendite eingefahren. Im Vergleich zu anderen Benutzeroberflächen finde ich Robocash aber sehr nutzerunfreundlich. Vor allem, dass man für neu eingezahltes Geld immer ein neues Portfolio aufmachen soll, nervt zumindest mich gewaltig. Ich ziehe hier auch eher Geld ab.

9. Kuflink*

Kuflink P2P-Lending

10. Moneything

Ein weiteres auslaufendes Investment im Immobilienbereich. Die Rendite leidet unter einer Reihe von Projekten, deren Rückzahlungen ins Stocken geraten sind. Ein Verkauf auf dem Zweitmarkt ist aktuell kaum möglich. Neue Investments werden kaum noch angeboten. So hat die Plattform aus meiner Sicht keine Zukunft.

11. Ablrate

Ablrate habe ich ungefähr zum gleichen Zeitpunkt wie Moneything gestartet. Leider ist die Anzahl der neuen Projekte sehr dürftig, so dass es schwer wird, hier größere Beträge anzulegen. Was mir bei Ablrate gefällt, ist der Zweitmarkt. Dort kann man mit Abschlag oder Aufschlag eine Vielzahl von Krediten handeln.

12. Neofinance

In Neofinance hatte ich wegen des 40 Euro Starterbonus investiert, allerdings nur mit einem Minimalbetrag. Ein echtes Buyback gibt es hier nicht. Für etwas Sicherheit sorgt ein Provisionfund, den man aber selbst finanzieren muss. Das schmälert die Rendite. Aktuell sind ca. 30 % meiner Kredite verspätet. Die Benutzeroberfläche kann mit Bondora oder Mintos nicht mithalten. Neu investieren werde ich hier nicht.

13. Twino

Twino war neben Mintos eine meiner ersten P2P-Plattformen. Anfangs gab es hier noch 14% Zinsen, aber die Zeiten sind längst vorbei. Nachdem in 2018 die Zinsen rapide sanken und der Autoinvest meine Gelder nicht mehr regelmäßig und vollständig anlegte, habe ich dieser Plattform komplett den Rücken gekehrt. An Twino wird häufig auch die sehr zögerliche Bereitstellung von Jahresabschlüssen kritisiert.

Jeder dieser Anbieter ist etwas anders. Sie unterscheiden sich nach der Bedienerfreundlichkeit ihrer Website, dem Anlageschwerpunkt (Immobilien, Privatkredite), den Ländern, potentiellen Sicherheiten etc. In der Regel ist das Investment für Dich nicht mit zusätzlichen Gebühren verbunden. Ausnahmen gibt es aber, etwa Flender.

Hinweis

Diese Seite dient lediglich zur Aufklärung über das Thema P2P-Lending. Es handelt sich um keine Anlageempfehlung beziehungsweise Aufforderung zur Anlage. Mit der Anlage in Private-to-Private-Kredite ist ein Risiko verbunden. Informiere Dich ausführlich über die Anlageform und investiere nur Geld, dass Du langfristig nicht brauchst und bei dem Du einen Totalverlust verschmerzen könntest.

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